Arbeitszeitkonto
Die 4 wichtigsten Kontenmodelle
- Gleitzeitkonto (Ampelkonto): tägliche/wöchentliche Schwankungen, Ausgleich meist ±40 Std.
- Jahresarbeitszeitkonto: Saldierung über 12 Monate, ±150–200 Std.
- Langzeitkonto / Lebensarbeitszeitkonto: Ansparen für Sabbatical, Vorruhestand, Elternzeit
- Kurzzeitkonto: klassisches Überstundenkonto mit kurzem Ausgleichszeitraum (i.d.R. 6 Monate)
Gesetzliche Grenzen (ArbZG)
- Tageshöchstarbeitszeit: 8 Std, ausnahmsweise 10 Std (§ 3 ArbZG)
- Ausgleich der 10-Std-Tage: innerhalb 6 Monaten / 24 Wochen
- Wöchentlich max. 48 Std im Schnitt (§ 3 ArbZG)
- Mindest-Ruhezeit 11 Std zwischen zwei Arbeitstagen (§ 5 ArbZG)
Langzeitkonto: Insolvenzsicherung Pflicht
Wertguthaben über 3 Monatsentgelte müssen nach § 7e SGB IV insolvenzsicher hinterlegt werden (Treuhandmodell, Bürgschaft oder verpfändete Anlage). Verstöße führen zur Auflösung des Kontos und Nachbeitrag zur Sozialversicherung.
Mitbestimmung des Betriebsrats
- § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG: Beginn/Ende der Arbeitszeit
- § 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG: vorübergehende Verlängerung/Verkürzung
- Ohne BR-Zustimmung: Konto rechtlich unwirksam, Ansprüche bleiben
Steuer & Sozialversicherung
Zeit auf dem Konto ist noch KEIN steuer- oder SV-pflichtiges Entgelt. Erst bei Auszahlung oder Entnahme (Freizeit, Sabbatical) entstehen die Pflichten — beim tatsächlichen Zuflusszeitpunkt.
Häufige Fragen zu Arbeitszeitkonto
Was passiert bei Kündigung mit dem Konto?▾
Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses werden Plusstunden ausgezahlt, wobei die Zahlung erst zum Auszahlungszeitpunkt steuer- und sozialversicherungspflichtig wird. Minusstunden dürfen nach BAG-Rechtsprechung (5 AZR 449/14) nur dann vom letzten Gehalt abgezogen werden, wenn der Arbeitnehmer sie selbst zu vertreten hat, etwa durch eigenmächtiges Fernbleiben. Arbeitgeber sollten die Kontenführung bis zum Austritt lückenlos dokumentieren, um Ansprüche eindeutig zu belegen.
Kann der Arbeitgeber Minusstunden anordnen?▾
Ja, aber nur im Rahmen einer entsprechenden vertraglichen Regelung im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung. Fehlt eine solche Vereinbarung, darf der Arbeitgeber keine Minusstunden anordnen, da dann grundsätzlich § 615 BGB zum Annahmeverzug greift und der Arbeitgeber das Risiko des Arbeitsausfalls trägt. Betriebe sollten die Bedingungen für Minusstunden daher klar und schriftlich im Arbeitszeitkonto-Modell festlegen.
Wie hoch darf ein Gleitzeit-Guthaben werden?▾
Gesetzlich ist die Höhe eines Gleitzeit-Guthabens nicht begrenzt, in der Praxis sind aber Ober- und Untergrenzen im Ampelmodell üblich, etwa grün bis ±20 Stunden, gelb bis ±40 Stunden und rot als Signal für dringenden Handlungsbedarf. Steuerlich und sozialversicherungsrechtlich ist das Guthaben unkritisch, solange es nicht ausgezahlt wird. Unternehmen sollten feste Schwellenwerte im Gleitzeitmodell definieren und regelmäßig kontrollieren.